Infrastruktur

Peppol: Wie der europäische Rechnungsverbund funktioniert

Peppol ist ein europaweiter Verbund für den Austausch von Beschaffungsdokumenten. Teilnehmer schließen sich an einen zertifizierten Dienstleister an, den Access Point; die Zustellung zwischen diesen Dienstleistern folgt einheitlichen Regeln. Weil jeder Teilnehmer in einem Verzeichnis registriert ist, muss kein Unternehmen die technische Anbindung eines anderen kennen — es genügt die Teilnehmerkennung.

Auch:
PEPPOL · OpenPeppol · Peppol-Verbund
Fachlich geprüft am 2026-08-26.

Das Problem, das Peppol löst

Zwei Unternehmen wollen Rechnungen elektronisch austauschen. Ohne gemeinsamen Rahmen müssen sie klären: Welches Format? Welcher Übertragungsweg? Welche Zugangsdaten? Wer meldet Fehler wie zurück?

Bei zwei Beteiligten ist das eine Absprache. Bei tausend Beteiligten sind es Hunderttausende Absprachen — und genau daran ist der klassische Datenaustausch jahrzehntelang gescheitert: Er funktionierte hervorragend zwischen großen Partnern, die sich die Abstimmung leisten konnten, und gar nicht für alle anderen.

Peppol dreht das um: Jeder Teilnehmer stimmt sich einmal mit einem Dienstleister ab, nicht mit jedem Geschäftspartner.

Das Vier-Ecken-Modell

Die Grundfigur hat vier Beteiligte:

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1Absender Access Point A Access Point B Empfänger
2 (Ecke 1) (Ecke 2) (Ecke 3) (Ecke 4)
  • Der Absender übergibt das Dokument an seinen eigenen Dienstleister.
  • Access Point A bereitet es auf und reicht es weiter.
  • Access Point B ist der Dienstleister des Empfängers und nimmt es entgegen.
  • Der Empfänger bekommt es in der Form, die sein System erwartet.

Der entscheidende Punkt: Ecke 1 und Ecke 4 kennen einander technisch nicht. Der Absender weiß nur die Teilnehmerkennung des Empfängers. Alles andere — Adresse, unterstützte Dokumentarten, Protokoll — steht im Verzeichnis.

Wie ein Dokument seinen Weg findet

Drei Bausteine machen die Adressierung aus:

Die Teilnehmerkennung. Sie identifiziert den Empfänger eindeutig und besteht aus einem Schema und einem Wert — etwa der Umsatzsteuer-Identifikationsnummer mit dem passenden Schema-Präfix. Sie steht im Dokument selbst, in BT-49.

Der SMP (Service Metadata Publisher). Das Verzeichnis, in dem hinterlegt ist, welche Dokumentarten ein Teilnehmer annimmt und an welcher technischen Adresse. Wer dort nicht eingetragen ist, ist nicht erreichbar — auch wenn sein Unternehmen existiert.

Der SML (Service Metadata Locator). Das zentrale Verzeichnis, das per DNS auflöst, welcher SMP für eine bestimmte Kennung zuständig ist. Es ist die erste Station jeder Zustellung.

Der Ablauf ist damit immer derselbe: Kennung → SML fragen, welcher SMP zuständig ist → SMP fragen, wohin und in welchem Format → Dokument dorthin übergeben.

Peppol BIS: das Format

Peppol schreibt nicht nur den Weg vor, sondern auch das Dokument. Peppol BIS Billing 3.0 ist eine CIUS von EN 16931 in UBL-Syntax.

Das ist die praktisch wichtigste Konsequenz für die Umsetzung: Wer Peppol adressieren will, erzeugt UBL. CII ist dort nicht vorgesehen — anders als bei der XRechnung, die beide Syntaxen zulässt.

Weil Peppol BIS eine CIUS ist, gilt auch hier: Es darf einschränken, nicht erweitern. Ein Peppol-BIS-Dokument ist damit für jeden lesbar, der den Kern der Norm versteht.

Was Sie zum Mitmachen brauchen

Drei Dinge, und keines davon ist ein Vertrag mit „Peppol":

  1. Einen Access Point. Peppol ist kein Dienst, an den man sich direkt anschließt — die Teilnahme läuft ausschließlich über einen zertifizierten Dienstleister.
  2. Einen Eintrag im SMP. Der Access Point registriert Sie mit Ihrer Teilnehmerkennung und den Dokumentarten, die Sie annehmen.
  3. Dokumente im richtigen Format. Peppol BIS Billing 3.0, valide gegen dessen Regelwerk.

Punkt drei ist der Teil, den Sie unabhängig von allem anderen vorbereiten können: Ein Peppol-BIS-Dokument zu erzeugen und zu prüfen ist keine Frage der Anbindung. Den Stand unseres eigenen Peppol-Gateways finden Sie auf der Roadmap.

Peppol und Deutschland

Deutschland hat seinen Behörden-Rechnungseingang nicht auf Peppol allein aufgebaut: Die Bundesplattformen nehmen Dokumente auch auf anderen Wegen entgegen, und die Adressierung erfolgt über die Leitweg-ID statt über eine Teilnehmerkennung.

Trotzdem ist Peppol auch hier präsent — die Plattformen sind erreichbar, und die verbreitete UBL-Variante der XRechnung stammt aus derselben Welt. Wer über die Landesgrenze hinaus an öffentliche Auftraggeber fakturiert, trifft früher oder später darauf.

Was Peppol nicht ist

Kein Meldesystem an die Finanzverwaltung. Der Verbund transportiert Dokumente zwischen Unternehmen. Länder, die Rechnungsdaten zusätzlich an den Staat melden lassen, ergänzen dafür eine fünfte Ecke — das ist eine nationale Erweiterung und nicht Teil des Grundmodells.

Kein Archiv. Die Zustellung ist ein Vorgang, keine Aufbewahrung. Die Pflicht, das strukturierte Original revisionssicher vorzuhalten, bleibt bei Ihnen.

Kein Format-Übersetzer. Wer CII erzeugt und Peppol adressieren will, muss konvertieren. Der Verbund nimmt ab, was seine Spezifikation vorsieht.

Häufige Fragen